Gérard Widmer (*1955)

Staunend in eine neue und zugleich vertraute Klangwelt eintauchen

Offene Fenster akustisch materialisieren – die luftigen Höhen verbinden mit dem ruhigen Grundton. Veräussern einer inneren Seelenwelt – schillernd, vielschichtig, harmonisch und ruhig.

1980 begegne ich der unglaublich starken und sensiblen Klangwelt der Fujara

Als autodidaktischer Kulturschaffender seit 1977 in den Gebieten Theater, Bildender Kunst und Musik tätig. Mitglied verschiedenster Theaterformationen (Pantomime, Puppenbühne, Zelttheater, Soloperformances). Diverse Ausstellungen mit Objekten, Grafik und Hinterglasmalerei. Tätigkeit als Buchillustrator. Mitarbeiter in der Firma Intraform, Designmöbel Bern. Langjähriger Mitinitiant des Seminar & Kulturortes Schloss Ueberstorf. 1980 Begegnung mit der Fujara. Seither Beschäftigung mit dem Bau und der Geschichte des Instrumentes. Instrumentenbauwerkstatt. Erster Fujaraspieler ausserhalb der traditionellen Spielweise. Klangperformances mit andern Medien wie Malerei, Bewegung, Video und Lyrik. Mitglied der Bands "finderdeux" mit Balts Nill (percussion, Ex Stiller Has) und "w hit e" mit BeniDo (electronics). Ton

Meine Leidenschaft und meine Beschäftigung mit Licht und Glas.

Inneres Licht – äusseres Licht.

Deshalb entstand auch die Auseinandersetzung mit dem Material Glas. Ein Prisma fächert das Licht in seine Spektralfarben auf – die Obertöne fächern einen Grundton in die Naturtonreihe auf. Hier bewegen wir uns in der lange bekannten und offensichtlichen Verwandschaft zwischen Ton und Licht.

Es ist mir über die Jahre klar geworden, dass die Fujara eben die Möglichkeit in sich birgt, die Naturtonreihe ganz deutlich und klar akustisch darzustellen.

Glas hat die gleiche Eigenschaft, durch seinenklaren Zustand alle Farben entstehen zu lassen. Darum bewege ich mich liebend gerne in der Begegnung und der Arbeit um das faszinierende und jahrtausend alte Material Glas. Dies wird deutlich in meinen Ideen um um das Projekt ARTTABLE.

In einer neuzeitlichen Art verbinde ich traditionelle Verfahren und unkonventionelle Konzepte mit und rundum der Anwendung von Glas im Alltag. Tische, Raumteiler, Leuchten, Wintergärten, Raumgestaltung, Pavillons. Mehr Infos auf meiner Website

1980 – zum ersten Mal begegne ich der unglaublich starken und sensiblen Klangwelt der Fujara – unverhofft – ein Tondokument von drei Minuten! In jenem Moment geht für mich ein akustischer Traum in Erfüllung: Der tiefe, geblasene Flötenton mit all seinen beweglichen Höhen. Liebe auf den ersten Ton.

Die Fujara ist in mir geboren – eine wundersame Odyssee nimmt ihren Anfang. Der 'Eiserne Vorhang' und meine damalige finanzielle Lage verhindern einen Besuch der Slowakei, dem Ursprungsland dieser einzigartigen Flöe. Mein Wunsch, diese bezaubernde Töne zu spielen, bringt mich dazu, selber solche Instrumente zu bauen. Anhand von mit der Lupe betrachteten Fotos entstehen klingende Exemplare mit einigen Mankos und Fehlern. 1984 – der erste Aufenhalt in der Slowakei mit vier Namen von Fujaraspielern in der Tasche: Der erste dieser Männer lebt nicht mehr, beim zweiten stehe ich nach langem Suchen vor der Türe: Juraj Dûrecka.

Nach zehn Tagen Wartezeit und Prüfungen halte ich ein Meisterwerk in meinen Händen; es ist eines seiner letzten Instrumente, welches er gebaut hat. Er spielt mir drei Minuten vor, streckt mir das goldene Holzrohr entgegen und sagt: «Va et essaie».

Ich ging und probierte: Klangliche Reisen vom Zentrum bis an die Ränder der Möglichkeiten; ohne Vorgaben, ohne Kenntnisse der traditionellen Spielweise.

Im Spiel seit 1986 mit Willi Grimm (Didjeridu) im Duo NATURTON entsteht eine unbekannte Vielfalt und Eigenständigkeit. Die von der Anzahl her nicht mehr überschaubaren Konzerte führen uns an die zauberhaftesten Orte auf der ganzen Welt.

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