Willi Grimm (*1946)

Der 5. Kontinent war für mich verlockend — Der richtige Ort in die Kultur der Aborigines einzutauchen ist das "Top End" Australiens - Arnhemland.

1960-67 Bassgitarrist in Berner Rockbands. Lebte 1968 drei Jahre in Australien und lernt das Didjeridu kennen. Studien und Kontakte mit Aborigines. Führt 1971 die ersten Didjeridus in die Schweiz ein. Als Botschafter dieses Instrumentes gibt er Vorführungen an Schulen und macht die ersten öffentlichen Didjeridu-Konzerte. Meditation, Energie-und Körperarbeit. Performances, Kurse und Unterricht.

Australien die Schweiz und meine Aktivtäten

Der 5. Kontinent war für mich verlockend ... Der richtige Ort in die Kultur der Aborigines einzutauchen ist das «Top End» Australiens – Arnhemland. Ich möchte Dir auf den kommenden Seiten meine Geschichte erzählen, wie ich das Didjeridu gefunden habe und wie es mich bis heute ständig begleitet. Weiter möchte ich, auf die Workshops, Kurse und auf meine musikalischen Aktivitäten aufmerksam machen - und Dich einladen auf eine Reise in unerhörte Töne.

Ich spiele bei NATURTON, sitze im Vorstand der Vereinigung Klangkeller Bern und vertreibe Naturton-Instrumente. Weiter biete ich auch Klangtherapien an. Schon als Teenager fühlte ich mich von der Tiefe angezogen von erdigen Klängen und von tiefen Höhlen. Die Urmenschen faszinierten mich, der Grund, dass ich 1968 nach Australien auswanderte, nachdem ich in einer Zeitschrift von den Aborigines gelesen hatte, die noch heute so leben wie die Höhlenbewohner in unseren Breitengraden vor 40'000 Jahren. Dort lernte ich Didjeridu spielen und lebte mehrere Wochen mit diesen Eingeborenen zusammen,

meine Agenda

25.05.2014 Klanglandschaft im Klangkeller Bern 19:00h
28.05.2015 PixMix; Jon Gale & Willi Grimm «Double or Nothing» Bern 20:00h
01.06.2015 NATURTON spielen an den Thunerfest Thun 18:00h
01.06.2015 - 07.06.2015 die Klangraum Woche Rosenweg 37, Bern jeweils ab 18:00h
09.06.2015 Vortrag - Reise durch Nepal Bern - Zyglogge 18:30h

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Es war ungefähr im Jahre 1958 , als ich meine Vorliebe für tiefe Töne und noch tiefere Höhlen entdeckte. Eine Erklärung aus astrologischer Sicht leuchtet ein: ohne jegliches Erdzeichen geboren, suchte ich in tiefen Tönen der Musik (als Bassgitarrist in einer Pop/Rockband) und im Eindringen in den Bauch der Erde (Höhlenforschung), mich zu erden, um nicht ganz im ätherischen-luftigen abzuheben. Im Höhlenbereich faszinierte mich besonders die Steinzeitmenschen, wie sie lebten und was sie für Kunstwerke an den Fels- und Höhlenwänden bis in unsere Zeit hinein gut sichtbar hinterliessen. Dann 1966 las ich die Zeitungsmeldung, dass in einer Australischen Wüste bei der Notlandung eines Buschpiloten Aborigines gesichtet und kontaktiert wurden, die noch nicht in Berührung mit Weissen gewesen waren. Der Bildtext lautete: "... sie leben noch wie unsere Vorfahren die Neanderthaler vor 30'000-50'000 Jahren." Wow, das war mein Startschuss (sprich Entschluss) dorthin zu gehen um diesen Menschen zu begegnen. So einfach ging es aber nicht und gemäss dem Sprichwort ....2. kommt es anders als man glaubt .... begann für mich ein Abenteuer.

Es war ungefähr im Jahre 1958 , als ich meine Vorliebe für tiefe Töne und noch tiefere Höhlen entdeckte. Eine Erklärung aus astrologischer Sicht leuchtet ein: ohne jegliches Erdzeichen geboren, suchte ich in tiefen Tönen der Musik (als Bassgitarrist in einer Pop/Rockband) und im Eindringen in den Bauch der Erde (Höhlenforschung), mich zu erden, um nicht ganz im ätherischen-luftigen abzuheben. Im Höhlenbereich faszinierte mich besonders die Steinzeitmenschen, wie sie lebten und was sie für Kunstwerke an den Fels- und Höhlenwänden bis in unsere Zeit hinein gut sichtbar hinterliessen.

Dann 1966 las ich die Zeitungsmeldung, dass in einer Australischen Wüste bei der Notlandung eines Buschpiloten Aborigines gesichtet und kontaktiert wurden, die noch nicht in Berührung mit Weissen gewesen waren. Der Bildtext lautete: „... sie leben noch wie unsere Vorfahren die Neanderthaler vor 30'000-50'000 Jahren.“ Wow, das war mein Startschuss (sprich Entschluss) dorthin zu gehen um diesen Menschen zu begegnen. So einfach ging es aber nicht und gemäss dem Sprichwort ....2. kommt es anders als man glaubt .... begann für mich ein Abenteuer. Bei den Reisebüros war der 5.Kontinent noch nicht im Angebot. Dafür suchte die Australische Regierung auswanderungswillige Europäer, die diese verheissungsvolle Riesen-insel in ein zweites Amerika verwandeln helfen sollen. Bei einer Verpflichtung von 2 Jahren wurde sogar ein Zustupf an die enormen Reisekosten gewährt - konkret gab es CHF 500.- an die 3'500.- für eine Einfachkarte Bern - Melbourne. Im Februar 1968 war es dann soweit, dass Schiff “Galileo Gallilei” stach in Genua in See. Auf diesem 1800 Passagiere fassenden Boot verbrachte ich die nächsten 27 Tage; der Suezkanal war geschlossen, Afrika musste umfahren werden.

Ich war knapp 22 Jahre alt als ich im März 1968 in Melbourne ankam. Gut dass ein Freund von mir schon hier lebte und meine Frau und ich bei ihm in Beaumaris einziehen konnten. Das Bisschen in der Schule gelernte Englisch erwies sich als untauglich das in Australien Gesprochene zu verstehen, als wieder neu beginnen. Nach drei Tagen fand ich Arbeit auf meinem erlernten Beruf als Offset-Andrucker in einer kleinen Druckerei. Nur 5 Gehminuten von meinem Wohnsitz war der Strand der Melbourne Bucht. Einige Tage später schlenderten wir an dieser Bucht entlang in Richtung City und fanden ein Restaurant mit dem Namen "The Didjeridoo". Das Essen war gut, das Danach noch besser. Ein Weissaustralier unterhielt nämlich die Gäste mit einem hölzernen Rohr, mit archaischen Tönen und Rhythmen. Sofort hat es mich gepackt, ich wollte mehr darüber wissen! Johnny "Didge" Matthews war der Spieler und fortan mein Didjeridulehrer. Meine ersten Versuche machte ich auf einem seiner Instrumente. John verbrachte einige Jahre im Busch und mit Aborigines. In dieser Zeit lernte er auch das Didjeridu spielen, welches ihn seither begleitete. über Jahre zog er in dieser Zeit durch die Städte Australiens als Didjeridu-Strassenmusiker. Damals Ende der 60er Jahre waren wenige Menschen an der Aboriginekultur interessiert, nur wenige kannten ihr Didjeridu.

Einmal sensibilisiert für dieses Instrument konnte ich doch Gleichgesinnte finden wie Brian Clark, Sergio de Pieri und der Show-Star Rolf Harris. Wissenschaftlich befasste sich Trevor A.Jones mit dem Instrument, zu dieser Zeit Vorsitzender der Abteilung für Musik an der Monash Universität in Melbourne. Er untersuchte und forschte im Arnhemland nach Herkunft, Gebrauch und Spieltechniken und brachte 1963 "The Art of the Didjeridu" heraus. Die A-Seite dieser Schallplatte ist der erste veröffentlichte Didjeridu-Lehrgang, auf der B-Seite sind Original-Feldaufnahmen zu hören, die L.Hiatt 1960 machte. Das studieren von Büchern und Museen, sowie dem Besuch von einigen Aboriginal-Sites in Mootwingee (NSW) machten mich immer neugieriger. In den Dandenong-Hügeln, 40 Km südöstlich von Melbourne lernte ich auch den Künstler und Naturfreund William Ricketts kennen. Er war so fasziniert von dem spirituellen Reichtum der Aborigines und wie sie mit der Natur umgehen, dass er mit ihnen längere Zeit lebte. In seinen Skulpturen schuf er einmalige Abbilder aus Lehm und Ton; sie scheinen zu leben, sind beseelt und atmen buchstäblich. Entsprechend dem Glauben der Aborigines, dass ihre Vorfahren aus dem Erdboden und Fels herausgeboren wurden wo sie schlussendlich auch wieder zurückkehren werden, platzierte er einige seiner schönsten Werke auf riesigen Steinen und Felsen. Das Anwesen ist als Park angelegt und ist öffentlich zugänglich.

Eine weitere prägende Begegnung war die mit James A. Davidson. Als Vermessungsingenieur war er in den 1940er Jahren im Norden Australiens unterwegs, sein Herzblut galt den Aborigines. In mehr als dressigjährigem Engagement hat er sich als Experte und als Vermittler in Arnhemland Angelegenheiten erwiesen. Sein Wissen und seine umfangreiche Sammlung in East Ivanhoe (Melbourne) waren fantastisch. Er kannte und war eng befreundet mit einem der letzten grossen Krieger, dem Maler und Songman Mathaman (Gomaidj-Klan Yirritja Moiety).

Mit feurigem Eifer ging ich die nächsten Monate ans Planen unserer Reise nordwärts. Per Inserat suchte ich Schneeketten, die ich für knifflige Strassenverhältnisse in den Wüstengebieten sicher gebrauchen könnte . Ein Leo Rynders meldete sich und tagsdarauf holte ich sie ab. Wie sich herausstellte waren auch er und seine Frau Rie 1950 ausgewandert aus den Niederlanden. Da sie kinderlos blieben haben sie einen Aboriginejungen aus Queensland bei sich aufgenommen, ihm während seiner Schul- und Collegezeit ein Zuhause geboten - im Zuge der fragwürdigen Assimilisationspolitik der Australischen Regierung, aus Schwarzen Weisse zu machen. Nun in diesem Fall schien es eine glückliche "Adoption" gewesen zu sein. Dieser Junge kehrte nach 10 Jahren zurück zu seiner Ursprungsfamilie in sein Stammes-gebiet. Mit einem Paket voller Gebrauchsgegenstände hat er sich bei seinen Pflegeltern bedankt. All das hing nun an den Wänden, wunderschöne alte Artefakte aus dem Alltagsleben eines Buschvolkes. Ich war zutiefst berührt und sprachlos. Leo und Rie ihrerseits hatten weniger Interesse daran und schenkten mir einen "Pointing Bone", ein "Tjuringa", sowie einen Boomerang. Mit dieser Begebenheit erhielt unser Vorhaben noch mehr Ansporn und die äusserungen meiner Arbeitskollegen "pass auf, die Schwarzen im Norden töten immer noch Weisse" konnte uns nicht abhalten.

Im Juni 1996 , ausgerüstet mit Reservebenzin, Trinkwasser und Essen verliessen wir Melbourne in Richtung Adelaide. Entlang der "Great Ocean Road" war die "London Bridge" noch nicht eingestürtzt und im Barossa Valley kelterten sie noch keine Weltklasse Weine. Kurz nach Adelaide befuhren wir dann die letzte asphaltierte Strasse für die nächsten 1500 Km. Einfacher als die Fahrt über diese Pisten war dafür das Campieren, konnten wir doch nur wenige Meter neben der Strasse unser Zelt aufschlagen. Autos kreuzten uns nur selten. Coober Pedy war eine der geplanten Stationen auf unserem Weg in den Norden. Auf dem lokalen Polizeiposten erwarben wir das "Schürfrecht" und versuchten uns im Opal graben. Spass und einige funkelnde, in allen Farben schillernde Steine kamen zutage. Mehr Interesse aber erweckte die Sippe Aborigines ,die am Stadtrand ihr karges Dasein fristeten. Sie waren laut am Gestikulieren und hatten sicher schon etliche Flaschen Wein hinter sich. Es brauchte Mut und überwindung hier Kontakt zu schaffen, ich hatte mir das anders vorgestellt. Nun stand ich da mit pochendem Herz, ängstlich? Von den Aborigines verspürte ich Misstrauen und Desinteresse? Als wir aber nach einer Stunde Beobachten immer noch da waren, kam ein älterer Mann mit einer Flasche Wein auf uns zu und lud zu einem "Bruderschaftstrunk" ein. Das Eis war gebrochen und gab einem sich gegenseitigen Beschnuppern platz. Zwei Tage später verabschiedeten wir uns und nähern uns immer mehr Ayers Rock und den Mt.Olgas. Die Aborigine-bezeichnungen Uluru und Katajuta waren noch nicht so geläufig, ebenso wenig dass Uluru ein Heiligtum darstellt. Die Zeit aber ,die wir dort verbrachten, liess uns dies erahnen .Jeder unserer Schritte wurde intuitiv gelenkt und gesetzt, entlang der 10 Km langen Basis dieses riesigen Monolithen, in seine Winkel, Schrunden und Löcher aber auch auf dessen Dachkuppe. Das Thema "Strassen" gab auf der ganzen 14'000 Km langen Reise immer wieder Anlass, das Auto auch aus ungewohnten Perspektiven zu betrachten. Auch hassten Reifen und Felgen die Schlaglöcher und Tiere wurden Opfer der nächtlichen Schein-werfer....! Die "Wellblechstrassen" wie sie in Zentralaustralien genannt werden, haben den Auspufftopf zwei Mal abgerissen. Einer der wenigen Menschen die wir hier trafen war Mechaniker und konnte ihn notdürftig reparieren.

Unser nächster Kontakt mit Aborigines war kurz vor Tennant Creek (Tea Tree), wo wir auf einer Farm wieder einer Sippe begegneten. Sie waren Teil-Assimilierte, als Cowboys angeheuert, die aber dennoch zeitweise ihrem "going bush" frönen konnten. Hier sahen wir auch die ersten Termitenbauten. wir näherten uns der Heimat des Didjeridus! Plötzlich ist die Strasse wieder mit Asphaltdecke und Darwin wird am 22.Juli erreicht. Wir erreichten Darwin wieder auf asphaltierter Strasse am 22. Juli 1969 . Mehr als Glück war, dass wir dort Bob Cross kennenlernten. Er war zuständig für den Verkauf von Aboriginal Handarbeiten anlässlich des Jahrmarktes. Im Verlauf des intensiven Gespräches wurde ich eingeladen, ihn in Maningrida zu besuchen. Erst wenige Jahre zuvor hatte die Alu- und Holzindustrie mit dem Erschliessen (Ausbeuten!) dieser Region begonnen. Hier, 600 km östlich von Darwin, erlebte ich eine sehr lebendige, intakte Aboriginekultur. Während zweier Wochen beobachtete und staunte ich. Die Vorbereitungen zu einer Initiationszeremonie liefen und emsiges Treiben war überall. Im Gebiet der Cadell-River-Crossing stiessen wir auf Felsmalereien die zuvor nur Aborigines bekannt waren. Hier war für uns "Neuland" auf unserer Erde, zur selben Zeit setzen die Astro-nauten den ersten Fuss auf den Mond!? Hier in dieser wunder-schönen Gegend kam ich auch zu einigen Top-Didjeridus.

Die Siedlung Maningrida ist seit 1957 sowohl eine medizinische als auch eine Handels/ Gewerbe Kontrollstelle für die Stämme zwischen den beiden Flüssen Liverpool und Blyth, an der Küste von Zentral Arnhemland. Das Gebiet wurde erst 1946 (meinem Geburtsjahr) erforscht. In Zusammenarbeit mit der "National Geographic Society" von Amerika hatte Australien diese wissenschaftliche Expedition unternommen. Verantwortlich waren der Ethnologe Charles P.Mountford und der Aboriginekenner William E.Harney. Kurz nach der Publikation des Berichtes (2 Bücher mit je 500 Seiten) kamen dann die Funktionäre der methodistischen und protestantischen Missionen hierher und versuchten in etwas mehr als 10 Jahren ihre Religionslehren zu vermitteln. Nicht ohne Spuren zu hinterlassen, mussten diese Projekte aber doch aufgegeben werden.

Maningrida ist das Land des Gunavidji-Stammes, von denen aber nur noch wenige hier leben. Die meisten zogen westwärts in Richtung Darwin oder wurden "zwangsumgesiedelt". Das Gemisch der ansässigen Aborigines setzt sich aus den Stämmen der Burera, Nakara, Gungoragoni, Gunwinggu und Gumanwurk zusammen. Hier also lebte auch Bob Cross, unser Gastgeber und machte uns mit den lokalen Leuten und ihrem Alltag bekannt. Tagsüber konnten wir beobachten wie z.B. George Nulumba Milpru (Kanalbingu) im Busch riesige Baumrindenstücke für seine Malereien loslöste, die er dann handlich zuschnitt, mit Steinen beschwerte und sie trocknen liess. Einige gab er dann auch an den Stammesältesten Mick Magani (Djinang) weiter. Hier konnten wir dann die Weiterbearbeitung mitverfolgen. Mick sass im Schatten seines Ast- und Wellblechateliers und rieb mit Pflanzensaft den Ocker an, um die Rinde mit ihm vertrauter Symbolik zu bemalen. Höhepunkt für mich war dann jeweils die Zeit von Sonnenuntergang bis in die Nacht hinein.

Bob erzählte, dass in wenigen Wochen für drei Knaben ein Beschneidungsritual stattfindet und die Vorbereitung war angesagt. überall waren kleine Feuer und das Didjeridu dröhnte zu Klapphölzern und Gesang. Der trockene Boden stieb vom Gestampfe der Tanzenden und dazwischen viel Gerede, Tratsch und herzhaftes Gelächter. Mit zunehmender Dunkelheit vermischten sich die schwarzen Körper immer mehr mit dem Schwarz der Nacht und im fahlen Feuerschein waren nur noch Augen und Zähne, sowie die weisse Körperbemalung sichtbar. Für mich war es das beeindruckenste Erlebnis, dem Didjeridu in dieser traditionellen und rituellen Form zu begegnen.

Es ist der 8. August 1969 : wir sitzen wieder in diesem "Skyvan"-Motorflugzeug ,das uns nach Darwin zurückbringt. Zurück aber liessen wir auch ein Stück Paradies auf Erden. Ich verspürte mit jedem Kilometer mehr Distanz, wie sich mein Hals verkrampfte und meine Augen feuchter wurden. Das also waren sie gewesen, diese Steinzeitmenschen unseres Jahrtausends..... was für eine Dankbarkeit ich empfunden habe, ihnen begegnet zu sein.

Dennoch hatte das Ganze für mich auch einen bitteren Nachgeschmack. Als Weisser und insbesondere als Schweizer war das indirekte Mitwirken an der Zerstörung dieser Idylle in mir präsent. Die Firma Nabalco, die zu 70% der Alusuisse gehört , bulldozt hier riesige Gebiete um, sodass jährlich auf 120 Hektaren das Aluminiumerz Bauxit abgebaut werden kann. Nur wenig ausserhalb des Arnhemland Reservates ist heute der Kakadu Nationalpark, wo Uran abgebaut wird. Weitere grosse Waldbestände werden an asiatische Holzkonzerne verschachert. Ob da die Aborigines, die seit 1976 die rechtmässigen Besitzer von Ost-Arnhemland sind je auf ihrer Forderung "ihr Land sei dereinst im ursprünglichen Zustand zurückzugeben" bestehen können?

In Darwin hatten wir einige Mühe, all die Mitbringsel im Auto noch unterzubringen. Irgendwie schafften wir es aber und nahmen die nächste Reiseetappe vor, den Stuart Hwy. hinunter nach Tennant Creek wo wir den Barkly Hwy. in Richtung Osten nahmen. In Camooweal besuchten wir die Nowranie-Höhlen und bald danach kam dann die Abzweigung Cloncurry, nordwärts bis hinauf nach Normanton am Golf von Carpentaria. Die Strasse war wieder ohne Belag und bis wir uns über die 900 Km nach Cairns gefahren hatten, waren wir total durchgerüttelt. Kuranda war "nur" ein Name auf der Landkarte und noch nicht Synonym für David Hudson's Tjapukai Tanztheater. Den Outback hatten wir nun (leider) hinter uns, unser Vorhaben über Cooktown soweit als möglich in den nördlichsten Zipfel Australiens zu fahren, scheiterte wegen schlechter Strasse und Regenfällen. Dennoch genossen wir es, die Highway's hinunter der Ostküste entlangzufahren : wegen der eindrücklichen Landschaften und Ausblicke auf das offene Meer. Zurück in Melbourne waren wir am Freitag den 12. September 1969.

Eineinhalb Jahre später dann: die nächste Abenteuerreise über den "Grossen Teich", den Pazifik. Wir hatten uns entschieden wieder in unser Heimatland zurückzukehren. Ich hatte 8 Didjeridus, 800 Dias sowie unzählige Eindrücke im Gepäck und das Verlangen, es möglichst vielen Schweizern mitzuteilen. Die Schiffshäfen waren Melbourne- Sydney- Auckland- Fidji- Accapulco. Hier verliessen wir das Boot mit je einem Tramper-Rucksack und durchquerten in den folgenden 4 Monaten Mexico- USA- Kanada und wieder hinunter nach Florida, wo wir dasselbe Schiff bestiegen ,um nach Bremerhafen zu gelangen. Nur, in der Zwischenzeit hatte es einmal mehr den ganzen Erdball umfahren! Durch Deutschland in die Schweiz gings dann per Auto. Dorf an Dorf ,und wie eng war doch hier plötzlich alles ! Juni 1971 ... nun war ich da in Bern mit meinem Enthusiasmus! Zu einem Zeitpunkt mit wenig Interesse unter den Europäern, über die Kultur der Aborigines und ihrem Didjeridu Näheres zu erfahren. Obschon ich Diavorträge an Schulen hielt, Artikel für Zeitungen und Magazine schrieb, das Didjeridu propagierte und es demonstrierte, gab es nur wenig Resonanz. Auch mein Vorstoss an der Universität Bern beim "Termiten-Professor", sowie das Bemühen ,am Australischen Konsulat, ihre öffentlichen Anlässe mit einem Didjeridu-Solo zu bereichern, waren negativ. Wie konnte es auch anders gewesen sein mit der damaligen Einstellung der Australischen Regierung gegenüber allem was "Schwarz-Australien" betraf. Ich vermisste die Sessions mit Johnny"Didge"Matthews, wo ich seinem pulsierenden Beat lauschen und schwelgen konnte.

Heimatlos in meiner Heimat, ein Wanderer zwischen den Welten. Erst nach langen 10 Jahren kam ein Wechsel in die Szene. Die Welt rückte näher zusammen, zwischen Ost-West und Nord-Süd fanden Austausche statt. Musikschaffende reden von Obertönen und Permanentatmung, Heilende und therapeutisch Arbeitende von Chakren und Meridianen. In der ganzen aufschwingenden Euphorie von Hightech machte sich bereits die Gegenbewegung bemerkbar - "weniger ist mehr" und "zurück zum Natürlichen", usw.

In der Musik war 1981 der Weg vorbereitet durch Namen wie La Monte Young, Terry Riley, John Cage und Philip Glass. Da war nun auch Platz für das Didjeridu (oder Didgeridoo, Didjeridoo, Didgeridu, Dijjuriduu, Dijdscheridu? Den Ureinwohner Australiens geht es nicht anders, kennen sie doch an die 40 verschiedene Namen für dasselbe Instrument, wie z.B. Yidaki, Yiraki, Malik, Nagu, Eruga, ölöru, Aràwi und Bamboo). Die Bücher von Peter Michael Hamel "Durch Musik zum Selbst"(1980), Joachim Ernst Berendt's "Nada Brahma - Die Welt ist Klang"(1983) und John Diamond's "Lebensenergie in der Musik"(1984) verhelfen zu einem neuen Zugang zu solcher Musik ,wie sie traditionell von den Aborigines gespielt wird. Ich hörte nun ab und zu von stolzen Besitzern eines Didjeridus, die Didjeridu-Kollegen tauchten auf und es gab auch solche, die es zu spielen verstanden.

In chronologischer Reihenfolge habe ich dann das Folgende erlebt: Stephen McDonnell spielt 1982 auf der MC "Didjeridu for the Shamanic Journey Series"(2).Charly McMahon gründet 1983 das Gondwanaland-Projekt und veröffentlicht die MC "Terra Incognita". Im Zuge seines Buches gibt 1984 John Diamond seine therapeutischen Ansätze des Didjeriduspiels in einem Gesprächsdialog mit dem amerikanischen Musiker Stuart Dempster auf einer MC heraus, ergänzt mit einem langen Didj-Solo. Im Jahre 1985 traten in der Schweiz zwei ausländische Musiker auf, die auch ein Didjeridu verwenden - am 6. Gurten-festival (30.Juni in Bern) war es der Finne Lauri Nykopp und am Konzert "Soundscape" (5.November in Basel) der Italiener, Roberto Laneri. Danach konnte ich jedes Jahr "meine Liste" mit neuen Namen ergänzen. 1986 erfahre ich von Ron Nagorcka aus Birralee, Tasmanien AUS, der Didjeridu mit Naturgeräuschen mixt und seine MC selber vertreibt. Auch Jim Wafer ein Klangtherapeut in Neuseeland, der Gambia/GB als Ursprung hat und zusammen mit Alain Eskinasi das Duo "Electric Dreamtime" bildet. Ebenfalls in diesem Jahr lerne ich den Fujara-Spieler Gérard Widmer kennen, mit dem ich drei Jahre darauf das Duo NATURTON gründe - diese Story aber in einer der nächsten Ausgaben vom "Didgeridoo-Magazin". 1987 gibt Peter Kaye aus Cairns, Qld. AUS eine Lernkassette mit Büchlein "Play & Enjoy the Didjeridu of the Australian Aboriginal" heraus. 1988 dann Steven Kent GB von "Lights in a fat City", ein Quantensprung europäischer Didjeridumusik! Mit all diesen Musikern bin ich dann auch in Verbindung getreten, hatten wir doch mindestens eine Gemeinsamkeit,:das Didjeridu. Mit soviel neuem Aufschwung und zunehmendem Interesse auch in meiner näheren Umgebung, organisierte ich am 10. Dezember 1988 das Erste CH-Didjeridutreffen in Bern mit 30 Teilnehmern, ca. ein Drittel davon hatten ein Didjeridu und spielten.. Zufällig kommt mir eine MC des CH-Musikers Carl Hänggi zu , auf der ich ein ganz spezielles Didjeridu höre. In Rücksprache mit ihm erfahre ich, dass er dieses "Geräusch" aus einem Sound-Sampler elektronisch in seine Musik verarbeitet hat, nicht einmal bewusst, was das für ein Instrument ist! Im Zuge der sich immer mehr verbreitenden Ethno- und Worldmusikszene veranstaltete Rüdiger Oppermann 1989 in Freiburg i.B das 3."Klangwelten-Festival" wo vermutlich der erste Aborigine-Didjeridu-Spieler in Europa auftrat. Angesagt war Trevor Parfitt des "Middar Aboriginal Theatre", der dann aber durch Shane Abdullah Scrubb ersetzt wurde. Klaus Burger aus Deutschland spielt und der junge Aborigine Richard Walley trat mit den Ostberliner Philharmonikern auf. 1990 gab der Australier David Hudson mit seinem "Tjapukai Tanztheater" in Bern eine Vorstellung und ich treffe aus Hawaii die gebürtige Schweizerinn Kutira Decosterd, die erste mir bekannte Didjeridu-Spielerin. In Vicenca findet "Settimana Australiana in Italia" statt, wo die Bwunggul-Tänzer aus Arnhemland anwesend waren. Auch ich spielte an diesem Festival mit unserem Duo NATURTON. Allerdings war das Lampenfieber stärker als üblich und ich kam nicht darum herum den Didj-Spieler der Gruppe, William(!) zu fragen, wie das für ihn so sei, wenn ich als Weisser sein Instrument spiele? Er hatte aber damit kein Problem und fragte sogar ob er meinen "Stick" probieren dürfe, worauf er kommentierte: "Not a bad pull mate". David Hopkins aus Irland treffe ich an einem Konzert in Bern, einen faszinierenden Bläser und Bodhrán Musiker mit einer Sammlung von über 200 verschiedenen Flöten, Hörnern und Bambusinstrumenten. In diesem Jahr tauchen auch die ersten Didjeridu-CD's auf wie: "Initiation" von Phil Thornton (am Didj spielt Steven Cragg), "Sounds of the Earth" von Steve Roach (mit David Hudson am Didj), "BAKA" von und mit Graham Wiggins (Outback), "Birds in a Jungle" von Big tribal Heart. 1992 anlässlich des NATURTON-Konzertes in der Passionskirche Berlin meldet sich unter den Zuhörenden York Wendland der auch schon länger spielt, Yothu Yindi kommen ans Berner Gurtenfestival, treffe den Deutschen Kailash , der seit 10 Jahren spielt, Frank Köstler D, Jem Friar den Strassenmusiker aus GB und der als "The Australian Didgeman" angepriesene Gary Thomas gibt seine ersten Konzerte und Workshops in der Schweiz und Deutschland. Ein Meilenstein in der Geschichte des Didjeridus setzte 1993 auch Dirk Schellberg mit seinem Buch "Didgeridoo- das faszinierende Instrument der australischen Ureinwohner", erschienen im Bruno Martin Verlag. Da mir wohl vorschwebte ,etwas in dieser Art zu verfassen, ich es aber nie realisierte, fand ich es toll plötzlich im Buchhandel dieses Buch zu finden. Meine Glückwünsche bei Dirk und unser persönlicher Austausch, was wir an ähnlichen Erfahrungen gemacht hatten , ergab sofort die Idee zu einer erweiterten Neuauflage des Buches, in der ich mein Wissen und Erfahrung einbringen könnte. Mit dem 1994 stattfindenden UHURU-Festival wurde dem Didjeridu boomende Beliebtheit in der Schweiz gewiss, die bis heute anhält. In diesem Jahr kamen aus Australien Alain Dagin, Janawiri Yipanka zum 1. Mal in die Schweiz. Im Sommer 1995 findet im Casino Zug die "Sommernacht – Erlebnis Australien, faszinierende Musik der Aborigines" statt mit den Künstlern Joe Gaia, Kev Carmody, George Djilaynga und Bruce Laylay von der Warumpi-Band. Das zweite deutschsprachige Buch “Yedaki- fazinierendes Instrument aus der Traumzeit” erschien. Auch hier verbindet mich bis heute eine Freundschaft mit dem Autor Henning Gerlt. Dann kam das spezielle Jahr 1996 quasi eine Schlüsselstelle der Didj-Szene. Im Januar/Februar tourte die Dreamtime-Show "Spirit of Australia" mit 14 Auftritten durch die Schweiz. Der angekündigte Lifeact war Marshall Whyler,er spielte Didj seit 20 Jahren und gründete die Gruppe "Indiginy". Am Gurtenfestival in Bern geben Yothu Yindi ein Konzert. Im Heidelberger Karlstorbahnhof präsentiert Conny Herbold (Urlaut-Shop) vom 23.-25.August das "Festival der Australischen Kultur". Unter den Musikern Mark Atkins & Janawirri Yiparrka, Gary Thomas, Phillip Conningham, NATURTON und Steven Kent. Kailash organisierte in der letzten Augustwoche das 1. Internationale Didjeridu Gathering im Herzen Europas, der Schweiz, das "Dreamtime Festival'96". Obschon nicht alle versprochenen Aborigine-Künstler kamen, war das Programm toll und voll: Mark Atkins & Janawirri Yiparrka, Shah Shahidi, Gary Thomas, Phillip Conningham, Jon Fonmosa, Alastair Black, Steven Kent, NATURTON, Phil Perris, Rob Mantz, Ron Sperber, Cy Rung. Rechtzeitig auf diese Woche kam die von mir und Max Regli (Schwingende Klangwelt) produzierte CD "Didjeridu, Alphorn & Co." heraus, wo 13 CH-Didj-Spieler auf einem Sampler mitmachen. Peter Kaupp gründete noch im selben Jahr den "Outdoor Didgeridoo Club Basel". Jahr für Jahr werden es mehr Didjeridu/Australien Festivals, die in ganz Europa angeboten werden, das gleiche passiert mit den Tonträgern. War es mir vor einigen Jahren noch möglich alle Didj-Produktionen zu kaufen, ist mir heute die Menge zu gross, der Inhalt (Qualität) manchmal zu gering. Es war auch das Jahr, in dem ich mir einen Computer anschaffte. Mit dem Internetzugang taten sich ungeahnte Möglichkeiten auf. Die Vernetzung wächst. Auf der Homepage "www.mills.edu" der Amerikanischen Didjeridu-Lobby z.B.! So, das wär's... ab hier seid ihr LeserInnen selber Teil dieser Geschichte des Didjeridus. Gerne nehme ich aber Feedback und Ergänzungen entgegen. Es wäre auch super, wenn in ähnlicher Form in jedem Land eine Chronologie erstellt würde, wer machts? Wäre doch eine Möglichkeit, die Verbreitung und Entwicklung der europäischen Didj-Szene zu kompletieren und dokumentieren. Zum Teil realisierte das auch schon David Lindner mit seinem 1997 erschienen Buch "Traumzeit- das Geheimnis des Didgeridoo" der ständig aktualisierte Renner unter den nun auch immer mehr werdenden Didjeridu-Büchern.

E p i l o g : Für mich persönlich hat sich im Jahr 2000 ein Kreis geschlossen. Es war die Anfrage eines Hoteliers im Februar, annlässlich einer Australienwoche das Didjeridu zu präsentieren. Obschon das ganze nach dem Menue geplant war wurde ich damit konfrontiert, während dem Essen vorzuspielen. Zuerst sträubte sich etwas in mir, aber dann erinnerte ich mich, wie genau vor 32 Jahren in einer ähnlichen Situation das Didj zu mir kam! Ich war gerührt, nahm die Gelegenheit dankbar an um symbolisch meinen Dank an "Johnny Didj" und die Aborigines zu bekunden. Während Wochen ging mir dieser Vorfall nicht mehr aus den Gedanken und schlussendlich wollte ich das mit John teilen, obschon wir seit 11 Jahren keinen Kontakt mehr hatten.... dann aber war John's Bruder Telefonanruf schneller. Er teilte mir mit, dass John im Sterben liegt. Wie froh war ich dann, John dennoch über's Telefon erreichen zu können, nochmals unser gemeinsam mit dem Didjeridu erlebtes zu verdanken. Es war erstaunlich für mich wie John sogar in diesem heiklen Moment ehrfürchtig und liebevoll dem vergangenen und zukünftigen Leben gegenüber stand. Er war ruhig, erfüllt und gefasst seinen Weg zu gehen. Zwei Tage später ist John gestorben.

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