NATURTON Konzert in der Kirche St. Johannis - Oeslau

09. Okt. 2017 7:30 PM News (0) Kommentare

NATURTON sind ein weiteres Mal zu hören, gleich um die Ecke.... Die Anfahrt ans 1. Campana-Festival der Klänge auf Schloss Rochsburg ist weit. Es war naheliegend, dass wir in dieser Gegend noch ein weiteres Konzert anfügen wollten. In Marco Munsch haben wir dafür einen Organisator gefunden, so dass wir am Montag, 9. Oktober ein weiteres Konzert im bayerischen Oberfranken geben können.

Jürgen Von Dall Armi verfasste diesen Text nach einem Konzert in München:


Es passiert einfach. Schon der erste Ton ist die Initiation für das Ritual. Und dieses Ritual ist darauf ausgerichtet, die Teilnehmenden auf die eigene Reise zu schicken. Auf die Einweihung in die eigene Kompetenz. Das ist die zentrale Botschaft des Schweizer Duos NATURTON. Ja, da bringen Widmer und Grimm aus völlig verschiedenen Gegenden primitive und uralte Instrumente mit und machen Musik, neue Musik. Ein Cross-over der besonderen Art. Der Ton der Fujara gleicht etwa einer Panflöte oder grösseren Orgelpfeife. Überblastechnik und Färbung des Tonvorrats prägen die Möglichkeiten des ausschliesslich aus Holz angefertigten Instruments. Die Gemeinsamkeit beider Instrumente verblüfft in Anbetracht der entfernten Herkunftsorte. Beide sind mit unterschiedlichen Berührungspunkten dem Alphorn verwandt; die Fujara mit der anblasbaren Obertonreihe, das Didjeridu im Blasansatz einer Trompete. Mit der Zirkuläratmung werden Fujara und Didjeridu in Dauerbetrieb gehalten. Das Didjeridu bringt ausnahmslos fast nur einen Ton hervor, und der ist irgendwo zwischen einer überdimensionierten Maultrommel und einer Betonmischmaschine angesiedelt. Solche Vergleiche aber verfehlen die künstlerische Leistung welche die beiden Schweizermusiker vollbringen. Mit ihrem von Oktaven, Quinten, Quarten und Sekunden geprägten Sound verflechten sie nicht weniger als zwei vollends verschiedene Kulturkreise, brechen im musikethnologischen Gewand eine Lanze für die Weltsprache Musik.

 

Beide Musiker sind wahre Meister ihrer Instrumente: Willi Grimm entdeckte für sich 1968 das Didjeridu während eines dreijährigen Australienaufenthaltes. Gérard Widmer begann 1980 mit dem Studium der Fujara. 1986 trafen sich ihre Wege und die fruchtbare Zusammenarbeit führte drei Jahre später zur Gründung von Naturtonmusik. ‘’Naturtonmusik deshalb, weil die beiden Holzblasinstrumente ursprünglich in freier Natur gespielt werden; Naturtonmusik auch, da durch Überblasen helle Klänge natürlicher Obertöne entstehen und zu einem neuen musikalischen Hören führen’’, so die Musiker. Auf die Frage, wie sie die Qualität ihrer Musik sehen, kommt folgende Antwort: ’’Unsere Musik ist von leuchtender Kraft und stiller Anmut. Zeitweise verlassen wir das Gebiet der Melodie und bewegen uns auf monotonen Ebenen. Einöden ohne Gewölbe, gegen Himmel offen, gehalten von der Erde.’’

 

Deutlich wird klar, dass es sich hier um ursprüngliche Elemente handelt. Aufgeschlüsselt etwa so: Feuer und Luft die Fujara, Erde und Wasser das Didjeridu. Fehlt also nur noch der Raum. Diesen gewollten Part übernimmt der Zuhörer, welcher über die Wahrnehmung der Klänge resoniert und dadurch zum erlebten Ritual wird. Das geht nur deshalb gut, weil das Duo seinem Publikum nicht vorgaukelt, traditionelle Volksmusik zu produzieren. Widmer entlockt seiner Fujara, die er auch mal in ihre Bestandteile zerlegt oder als kombiniertes Blas-/Schlaginstrument nutzt, Klänge, von denen ein slowakischer Schafhirte nicht einmal träumen würde. Es geht den Schweizern nicht um die Kopie von Unkopierbarem, sondern eher schon um die Beschwörung eines gedachten Urzustandes, wie ihn ja auch Mahler mit dem Beginn seiner 1.Sinfonie eingefangen hat, um die Spektralanalyse eines Tons, aus der wie von selbst eine Art Klangfarbenmelodie entsteht. Selbst wenn es lauter, rhythmisch bewegter, geräuschhafter wird, passiert nicht viel, und das ist das eigentlich Bemerkenswerte für den Zuhörer, der an die synthetische Verfügbarkeit aller erdenklichen Klänge gewöhnt ist.

 

Es ist eine Musik, die im Wiederspruch zur abendländischen Tradition den Stillstand feiert, sich Zeit lässt, ohne etwas zu bieten. Ganz verleugnen können die Instrumentalisten ihre eigene musikalische Sozialisation jedoch nicht: Hin und wieder brechen sich Grundmuster Bahn, um gleich darauf im Sog des Ungewohnten zu verschwinden und von neuem die Verwirrung zu stiften, die NATURTON nicht auf den Bereich der Geographie beschränkt. Geöffnet durch den Klangraum erfährt der Reisende die meditativ wirkende Bewusstheit seiner Spontaneität. Was auch immer an Bildern, Farben, Gedanken oder Gefühlen auftritt, es ist individuell. Aber ‘’es ‘’ ist.

 

Solch eine Stimulanz ist immer einzigartig, aber nie aufdringlich. Da setzen sich unbewusst schlummernde Energien frei, alte Blockaden lösen sich, die Spiritualisierung des Körpers ist wahrnehmbar. Der Prozess des Heilwerdens durch Musik. Das alles ist verfügbar, weil das Duo sich im Augenblick des Szenarios herschenkt und nur noch Zeuge des Geschehens ist. Dahinter steckt die ungeheure Konsequenz des über zehnjährigen gemeinsamen Weges: Der Abschied von den Denkmustern, die in der Musikkultur unsichtbar eingewoben sind. Die Lehre vom Zusammenwirken, der Synergetik, als Ergebnis die Einsicht, dass der eigentliche Motor dieser Kunst aus einer Kette von Überraschungen besteht.

 

’’Es war immer ein Wagnis authentisch zu bleiben. Irgendwie spürten wir die Stimmigkeit unseres Vorhabens. Jetzt wissen wir und dürfen es erleben’’, so Gérard Widmer. Bevorzugt spielt das Schweizer Duo in Kirchen. Sie sind der Ansicht, dass der sakrale Hintergrund zusätzlich Nährboden für ihre Musik bietet. In solchen Räumlichkeiten ist es leicht vorstellbar, wie dicht die Atmosphäre durch die entstandenen hellen Klänge und Obertöne wird. Sie spielen aber auch überall dort, wo sie eingeladen werden. Begrenzung ist nicht ihr ‘’Ding’’. Unser Tip: Live dabei sein!

 

                                                  

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